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Das Wort zum Sabbat

Geben, Güte, Großzügigkeit und Gnade

Setzen wir die überaus großen Gnadengaben, die Gott uns gegeben hat, in die Tat um? Vielleicht ist dies eine ungewöhnliche Frage. Allerdings wies der Apostel Paulus die Jünger in Rom an, genau das zu tun, und diese Anweisung gilt auch heute noch für uns. Paulus erklärte in Römer 12, dass uns geistliche Gaben gegeben sind, die nach Gottes Güte – Gottes Gnade – angewendet werden, die jedem von uns zuteil wird.

Dazu gehören Gaben des effektiven Sprechens, Lehrens, Ermutigens, Gebens, der positiven Führung und der fröhlichen Handlungen der Barmherzigkeit (Römer 12,6-8). Paulus wies darauf hin, dass jeder Jünger ein unterschiedliches Maß dieser geistlichen Gaben hatte. Beachten Sie noch einmal, dass eine dieser Gaben der Gnade die Gabe des Gebens oder der Großzügigkeit ist.

Paulus ermutigt uns insbesondere, die Gabe des Gebens „mit lauterem Sinn“ zu geben oder wie die „Neues Leben“-Übersetzung es ausdrückt: „aus freien Stücken“ (Vers 8; alle Hinzufügungen durch uns). Diese geistliche Gabe manifestiert sich als eine Denkweise. Das Neue Testament bezeugt, dass die Jünger Jesu Christi eine großzügige Gruppe waren. Sie gaben freiwillig. Und es geht hierbei nicht allein um Geld.

Großzügig zu sein gehört nicht immer zur menschlichen Gesinnung. Es ist auch nicht immer mit der persönlichen Wirtschaftslage verbunden. Manche versuchen Geiz als notwendige Reaktion auf die Welt, in der wir leben, zu erklären. Das kann bis ins Extrem gehen. J. Paul Getty, einmal der reichste Mann in Amerika, installierte Münztelefone in seiner „Sutton Place“-Villa in England, die 72 Räume hatte.

Obwohl sich Großzügigkeit manchmal auf finanzielle Mittel bezieht, geht eine großzügige Gesinnung viel weiter. Großzügigkeit bedeutet eine Einstellung des Gebens, ohne etwas zurück zu erwarten. Diese Einstellung drückt Mitgefühl aus und versucht, einen Beitrag zu leisten. Ob man nun spricht, lehrt, ermutigt, führt, Barmherzigkeit zeigt oder eine geistliche Gabe oder Handlung ausübt, man muss zuerst die großzügige, gebende Natur Gottes selbst annehmen und nicht erwarten, dass man zurückbezahlt oder entschädigt wird. Paulus sagte den Korinthern, dass ein offenes, großzügiges Wesen ein Beweis dafür sei, dass die geistliche Liebe eines Jüngers „echt“ sei (2. Korinther 8,8). Paulus ermahnte die Jünger, die in der damals reichen Handelsstadt Korinth lebten: „Wie ihr aber in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat“ (2. Korinther 8,7).

Großzügigkeit ist ein Ausdruck unseres Charakters. Es ist ein Spiegel eines fürsorglichen Herzens, das direkt widerspiegelt, wer wir sind. Der Grad, in dem wir mit unserer Zeit, unseren Worten, unseren Taten, unserem aufmerksamen Zuhören, unseren materiellen Gütern, unserem Gebetsleben und ja, unseren finanziellen Opfern großzügig umgehen, spiegelt Gottes Gnade wider, Gottes Güte im Handeln in jedem von uns.

Ich war Treuhänder einer Wohltätigkeitsorganisation in Großbritannien, die Kindern in Tschernobyl, Ukraine und auch beim Aufbau eines Rehabilitationszentrums geholfen hat. Unser Direktor sprach mit verschiedenen Gruppen im ganzen Land über den großen Bedarf an einer solchen Einrichtung in einem Land, das nach der Atomkatastrophe zusammengebrochen war und sich nicht um seine eigene Bevölkerung kümmern konnte. Er stellte fest, dass eine beträchtliche Unterstützung von den Fraueninstituten kam, wo Frauen bereitwillig mit einem bescheidenen persönlichen Beitrag ihre Unterstützung leisteten. Er sprach auch mit wohlhabenden Gruppen, zu denen auch bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gehörten. Viele von ihnen lächelten, ermutigten ihn, „die gute Arbeit fortzusetzen“. Sie trugen aber nur sehr wenig oder gar nichts zur Unterstützung der Arbeit in der Ukraine bei.

Um diesen Punkt weiter zu veranschaulichen, gab uns Christus das Beispiel der Witwe, die in den Tempel kam. Im Markusevangelium lesen wir, dass Jesus sich in den Tempel von Jerusalem setzte und beobachtete, wie Leute Münzen in einen Spendenkasten warfen, manche sogar große Summen (Markus 12,41). Dann kam eine alte Witwe. Sie hatte ihren Ehemann und die Hauptquelle des Einkommens verloren. Jesus beobachtete genau, wie sie großzügig zwei kleine Münzen in den Opferkasten warf. Er hat sie nicht bemitleidet, sondern lobte sie sehr.

„Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben“, sagte Jesus Christus. „Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte“ (Markus 12,43-44).

Die Wohlhabenden, die den Tempel betraten, um ihre Spende zu geben, gaben von ihrem Überfluss. Aber diese Witwe wollte geben. Dies war Teil ihrer Natur. Sie gab freiwillig und opferte großzügig.

Ich möchte mit Ihnen ein sehr persönliches Beispiel einer Person teilen, die ein großzügiges Herz hatte. Meine Mutter, Nina Kubik wurde im Alter von 40 Jahren zur Witwe. Ihr Ehemann, mein Vater, starb mit 42 Jahren. Wir waren fünf Kinder in der Familie. Ich war der älteste und damals ein 19-jähriger neuer Student am Ambassador College. Das jüngste Kind war 3 Jahre alt. Meine Mutter und mein Vater waren Teil der Gemeinde Gottes. Nach dem Tod meines Vaters wurde meine Mutter zu einer Witwe, die auf die Unterstützung durch den dritten Zehnten anderer Gemeindemitglieder angewiesen war. Bis zum Ende ihres Lebens hat sie als Putzfrau gearbeitet. Die Gemeinde liebte und kümmerte sich sehr um sie.

Obwohl sie materiell gesehen nicht sehr viel besaß, war meine Mutter für ihr offenes Herz und ihre Großzügigkeit bekannt und beliebt. Sie hat nie ein Geschenk zur Hochzeit oder zur Geburt eines Kindes verpasst. Sie hatte ein Talent darin, günstige Sonderangebote zu kaufen, damit sie ein Geschenk hatte. Sie hatte immer Leute zu Besuch und da sie in der Nähe des Versammlungsortes wohnte, kamen immer Leute nach der Sabbatversammlung mit nach Hause. Jeder trug etwas zum Mittagsbuffet bei. Alle waren sehr großzügig!

Sie brachte uns Kindern bei, großzügig zu sein und anderen zu geben. Selbst als ich schon einige Zeit als Prediger gearbeitet hatte, ermahnte sie mich, nicht zu geizig beim Festtagsopfer zu sein! Sie hatte nie viel Geld, aber sie hatte dennoch immer Geld. Die Leute halfen ihr fröhlich, das Auto oder das Haus zu reparieren. Obwohl sie großzügig war, konnte sie sparsam haushalten und legte die Latte der Fürsorge für andere sehr hoch. Ich denke auch heute noch an sie, wenn ich von der Witwe lese, die ihre zwei Münzen in die Spendenbüchse im Tempel warf.

Paulus erklärte in 2. Korinther, Kapitel 8 und 9, was es bedeutet, einen großzügigen Charakter zu haben. Um die Heiden im Römischen Reich geistlich mit den von Hunger geplagten Gemeinden in Juda zu verbinden, hatte Paulus begonnen, ein besonderes, länderübergreifendes Hilfsangebot zu sammeln, um den verarmten jüdischen Christen zu helfen. Als er seinen zweiten Brief an die Korinther schrieb, erklärte er lebhaft, wie die Jünger im nahen Mazedonien fröhlich reagiert hatten, indem sie gaben, bis es weh tat – ein wahres gebendes Opfer. Er stellte fest, dass durch die Gnade Gottes, „ihre Freude im Glauben nur umso stärker [wurde] und trotz ihrer großen Armut zu einer erstaunlichen Hilfsbereitschaft [führte]“, denn „sie spendeten, so viel sie konnten, ja noch mehr, und sie taten es ohne Aufforderung“ (2. Korinther 8,2-3; Gute Nachricht Bibel).

In diesen beiden Kapiteln fordert Paulus die Korinther auf, ihn nicht im Stich zu lassen, sondern sich der Situation mit großzügigen Spenden zu stellen, wie es die Mazedonier getan haben. Paulus betont einen kritischen Gesichtspunkt: Gott selbst nimmt eine großzügige Haltung wahr und engagiert sich!

Paulus erklärte: „Wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte. Jeder soll so viel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht Leid tun und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber!“ (2. Korinther 9,6-7; ebenda). Was passiert, wenn wir freiwillig und großzügig geben? „[Gott] hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt“ (2. Korinther 9,8; ebenda).

Einfach ausgedrückt, wenn wir uns geistig in einem großzügigen Gemütszustand befinden, können wir Gott nicht „übertreffen“. Üben wir das geistliche Geschenk der Großzügigkeit, des Gebens unserer Zeit, unserer Ressourcen und unserer selbst – konzentrieren wir uns darauf, zu beweisen, dass unsere Liebe zueinander echt ist.

Im Dienste Jesu Christi

Victor Kubik

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