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Das Wort zum Sabbat

Geduld – das Unangenehme annehmen

Echte Geduld ist eine geistliche Gabe, die wir alle haben möchten. Und wie man so schön sagt: Wir wollen sie im Allgemeinen sofort. Die geistliche Gabe der Geduld muss trainiert werden, wenn wir uns außerhalb unserer Komfortzone befinden. Als Nachfolger Jesu Christi brauchen wir Geduld, wenn wir provoziert werden und normalerweise zurückschlagen wollen. Geduld ist das, was wir inmitten einer scheinbar endlosen finanziellen oder physischen Prüfung brauchen, genau dann, wenn unsere geistlichen Reserven an Geduld knapp erscheinen.

Geduld (Griechisch makrothumia) ist die vierte geistliche Eigenschaft oder "Frucht", von der Paulus sagt, dass sie den heiligen Geist in einem Christen aktiv widerspiegelt (Galater 5,22-23).

Die geistliche Gabe der Geduld gibt uns ein bemerkenswerte Werkzeug an die Hand, um das Unbequeme anzunehmen, uns einzuleben und vorübergehend jede schmerzhafte Prüfung bzw. beunruhigende Situation zu akzeptieren, in der wir uns befinden können. Um im Leben erfolgreich zu sein, müssen wir oft geduldig sein, auch wenn wir es manchmal nicht sein wollen. Die gute Nachricht ist, dass unser himmlischer Vater sehr geduldig ist. Er möchte dieses geistliche Element der Stärke in viel größerem Ausmaß mit uns teilen, als wir es von allein bewerkstelligen können.

Wie gewinnen und nutzen wir geistliche Geduld? Das griechische Wort makrothumia bedeutet wörtlich "langlebig". Menschen, die die geistliche Frucht der makrothumia zeigen, zeigen Zurückhaltung in einem Moment, in dem andere in Wut ausbrechen würden. Es hat viel mit Nachsicht zu tun, die in direktem Zusammenhang mit Barmherzigkeit, Mitgefühl und Selbstbeherrschung steht. Diese Qualität wird auch geistlich als "langmütig" beschrieben.

Ein großartiges Beispiel dafür, wie es einem Mann Gottes an Geduld und Selbstbeherrschung mangelte, er aber letztendlich diese geistliche Gabe empfangen und gelernt hat, wird im Leben von Mose gezeigt. Wir denken oft an Moses Zeit in der "Wüste" als die Zeit, in der er die Israeliten 40 lange Jahre lang durch die Wüste führte. Bedenken Sie aber, dass Moses "ein Fremdling im fremden Lande" (2. Mose 2,22) gewesen ist, als er vier Jahrzehnte lang durch die Wüste wanderte. Das waren seine persönlichen "Wildnisjahre".

Lassen Sie uns kurz die Geschichte wiederholen. Mose hatte als junger Mann alles. Damals lebte er in Luxus und Wohlstand, ein Mitglied des Königshauses des ägyptischen Pharaos. Eines Tages wurde er Zeuge einer abscheulichen Tat. Ein Ägypter schlug zu Unrecht einen Hebräer, den Mose als einen von "seinem Volk" erkannte. Doch statt dass er zuerst nachdachte, bevor er reagierte, lesen wir: "Da schaute er sich nach allen Seiten um und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande" (2. Mose 2,12).

Mose war wahrscheinlich empört, aber es war trotzdem eine voreilige Tat. Es war Mord. Die Dinge wurden schnell schlimmer. Offensichtlich hatte jemand die Tat beobachtet, denn die Nachricht über dieses hochrangige Mitglied des Hauses des Pharaos und seine Taten verbreitete sich schnell.

Die Folge? "Als der Pharao von dem Vorfall erfuhr, wollte er Mose töten lassen. Mose aber floh vor ihm in das Land Midian" (Vers 15; Gute Nachricht Bibel).

Das antike Midian lag ca. 300 Meilen östlich von dem nordöstlichen Ufer des Roten Meeres entfernt. Einmal dort angekommen und außerhalb der Reichweite der ägyptischen Beamten, ließ Mose sich nieder und tauschte sein luxuriöses Leben im königlichen Haushalt durch ein bescheidenes Wüstenleben zwischen Schafen und Kamelen ein, ein "Fremder im fremden Lande".

In dieser Zeit hatte er sehr viel Zeit – 40 Jahre! –, um darüber nachzudenken, was ihn der Mord im Affekt gekostet hatte. Er wurde nicht mehr bedient, sondern lebte ein neues Leben voll harter physischer Arbeit.

Dennoch befand sich Moses als unwohl fühlender "Fremder im fremden Lande" mitten in einer langen Lernphase, einer Zeit, in der er langes Leiden lernte. Er wußte nicht, welchen Plan Gott für ihn hatte bzw. ob er überhaupt einen Plan für ihn hatte! Es gibt keine Berichte darüber, dass er in diesen 40 Jahren von einem Engel Gottes besucht wurde, der ihm offenbarte, dass er bald mehr als eine Million Menschen anführen sollte! 40 Jahre lang stand Moses jeden Tag auf, hütete seine Herde, zog seine Söhne auf, lebte unter dem Volk seiner Frau und legte sich am Ende des Tages zur Nachtruhe nieder.

Aber über viele Jahre hinweg lernte Mose, wie man die geistliche Gabe der Geduld empfängt und anwendet. Später, als Mose unerwartet in eine Führungsposition gedrängt wurde, sehen wir bemerkenswerte Fälle von Geduld in Aktion. Der Mann der voreiligen Handlungen ist verschwunden. Immer wieder betet Mose zu Gott und fleht ihn an, barmherzig zu sein. Geduldig erträgt Mose Spott und Rebellion, sogar aus seiner eigenen Familie. Das Nörgeln von mehr als einer Million Menschen wiegt schwer. Aber die geistliche Frucht der Geduld ermöglicht es Mose zu gewinnen. Obwohl er ein unvollkommener Mensch ist, bleibt er bis zum Ende geduldig treu, auch wenn ihm das Betreten des Gelobten Landes untersagt ist.

Was steht es mit Ihnen und mir? In meinem halben Jahrhundert als Pastor habe ich Ungerechtigkeit und unrechtmäßige Handlungen gesehen, die scheinbar ungestraft bleiben, manchmal für sehr lange Zeit. Ich habe auch gesehen, wie Menschen für die Folgen ihrer eigenen Fehler und Sünden leiden. Aber wenn ich ungerechte Situationen sehe oder erlebe, tröste ich mich mit Davids Worten: "Werde ruhig vor dem Herrn und warte gelassen auf sein Tun! Wenn Menschen, die Böses im Schilde führen, auch noch ständig Erfolg haben, reg dich nicht auf! Lass dich nicht hinreißen zu Wut und Zorn, ereifere dich nicht, wenn andere Böses tun; sonst tust du am Ende selber Unrecht!" (Psalm 37,7-8; ebenda). Warum? "Nicht lange mehr, dann sind die Bösen fort, du wirst von ihnen keine Spur mehr finden" (Vers 10). Gott wird die Menschen zu gegebener Zeit befreien!

Diese Situationen können ein Weg sein, auf dem Gott Gelegenheiten zum Lernen für echtes geistliches Wachstum bietet - ich habe oft gesehen, wie die Prüfung oder die Zeit der unangenehmen Situationen wunderbar zu Ende ging, oft öffneten sich unerwartete Türen durch Gottes Gunst -, ähnlich dem, was er für Mose tat.

König David schrieb: "Aber die Elenden werden das Land erben und ihre Freude haben an großem Frieden" (Psalm 37,11). Haben Sie diese Worte schon einmal an einer anderen Stelle gelesen? Sie wurden von Jesus Christus selbst in Matthäus 5, Vers 5 erweitert: "Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen."

Moses wird in 3. Mose 12, Vers 3 wie folgt beschrieben: "Der Mann Mose war sehr demütig, mehr als alle Menschen auf Erden."

Gott wird auf uns aufpassen. Er wird uns befreien. Wir werden wie Mose „Langmut“ lernen müssen, doch dieser Prozess des Geduldlernens führt auch zu den kostbaren Qualitäten wie Demut, Mitgefühl und Gnade, wenn wir selbst sanftmütig und demütig werden (Micha 6,8).

Gott hat uns zu einem großen Ziel berufen. Wie David, als er eine große Prüfung bzw. eine schwierige Situation bewältigen musste, können wir still sein. Wir können die Situation, in der wir lernen, wie man göttliche Geduld empfängt und anwendet, angemessen akzeptieren und uns entspannen. Mit Gottes Hilfe und Ermutigung können wir das Unangenehme annehmen und zulassen, dass Gott uns auf wunderbare Weise auf seinen Plan vorbereitet!

Im Dienste Jesu Christi

Victor Kubik

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